Werkstattbericht: Das war 2019

Das Jahr neigt sich dem Ende entgegen. Zeit um einen kleinen Rückblick auf das Jahr 2019 zu machen, und sich daran zu erinnern, was alles passiert ist. 2019 ist für mich insofern besonders, als das ich seit Mitte des Jahres keinen Code mehr schreibe und ich mich auf meine neuen Rollen als Scrum-Master und Agile Coach konzentriere. Das hier ist ein persönlicher Rückblick. Wo habe ich einen Teil beigetragen? Was habe ich erreicht?

Meine Kollegen Henning, Admir, Jonathan und Michael haben an vielen anderen spannenden Themen gearbeitet, an denen ich nur am Rande mitgewirkt habe, und daher hier nicht erwähne. Hier findet sich also nur ein Auszug von dem was wir Agile Travelguides im SoSo tun. Wer Fragen hat, der ist herzlich eingeladen diese bei uns zu stellen!

Aber bevor es losgeht, möchte ich euch allen einen schönen Ausklang des Jahres 2019 wünschen. Lasst uns gemeinsam auch in 2020 dafür sorgen, dass das SoSo ein toller Ort zum Arbeiten ist und bleibt. Es macht Spaß mit euch zu arbeiten!

Was habe ich erreicht?

Welche Dinge haben sich ganz konkret geändert? Was ist heute anders als vorher?

Bessere Abschätzungen

Wir können Aufwände zu Beginn von Projekten besser abschätzen, und diese dem Kunden transparent und nachvollziehbarer als vorher nennen.
Möglich wird das durch die Rapid-Estimation Methode, die ich basierend auf einem der ersten Workshops zum Thema Schätzen entwickelt habe. Heute setzen wir diese Art von Schätzung, zusammen mit dem User Story Mapping, zu Beginn der Projekte ein.

Neues Scrum-Onboarding

Wir haben das Format unseres Onboarding verändert. Wir haben die Theorie stärkt gekürzt. Jetzt konzentrieren wir uns im Rahmen eines Lego-City Spiels stärker auf die praktische Anwendung. Die „graue“ Theorie wird nun in aller Tiefe (und mit weniger Überschneidungen) in der Zertifizierung zum Scrum Master behandelt. Das Onboarding dauert insgesamt noch noch halb so lang und kann von einer Person alleine durchgeführt werden. Es gab somit eine Reduzierung des Aufwand für das Scrum-Onboarding, bei gleichzeitig höheren Praxisanteil.

Osnabrück macht agil

Zusammen mit Michael, Admir und Henning habe ich in Osnabrück mit „Osnabrück machen Agil“ ein Meetup zum Thema Agilität gestartet. In regelmäßigen Abständen erreichen wir damit etwa 50 Personen für einen spannenden Austausch.

Wie und wo war ich aktiv?

Womit habe ich ich mich den Tag über meistens beschäftigt.

Lesen, Denken, Sprechen, Schreiben, Lernen

Einen wichtiger Teil meiner Arbeit besteht nach meinem Verständnis darin, sich mit Ideen und Konzepten der Zusammenarbeit und Organisation zu beschäftigen. Es ist etwas, was mich weit mehr als die täglichen 8 Stunden meiner Arbeit bewegt. Ich habe in den letzten Monaten unzählige Bücher, Artikel und Podcasts zum Thema Agilität und Organisationsentwicklung, Transformation und NewWork (Fügt gerne beliebige weitere Buzzwords ein) geradezu aufgesaugt. Sich zu überlegen, warum Systeme funktionieren, oder auch nicht funktionieren, braucht nun mal Zeit. Aber diese Zeit ist wichtig! Ohne diese Überlegungen irrt man von der mechanischen Anwendung einer Methode in die nächste. Ideen wollen gewälzt werden, bevor wir sie testen. Das erfordert viel Austausch durch Gespräche und die Betrachtung aus verschiedenen Perspektiven.

Dieser Blog ist ein Teil dieser Arbeit, denn hier landen am Ende einige Ergebnisse dieser Überlegungen. Ich versuche hier immer wieder neue Impulse zu setzen und ein Angebot zu machen, um was neues auszuprobieren oder gegebenes zu hinterfragen. Insbesondere die Ideen zu YATEEM und der Arbeit in kleinen Projekten haben eine gute Resonanz gehabt. Mit YATEEM werden wir voraussichtlich im kommenden Jahr ein erstes Experiment starten! Das freut mich sehr!

Workshops und Vorträge

Ich habe Reihe von Vorträgen und Workshops zum Thema Agilität an Hochschulen, bei Kunden und Veranstaltungen wie der Digitalen Woche in Osnabrück halten können, und so SALT AND PEPPER als Partner für Agile Softwareentwicklung sichtbar gemacht. Ich glaube, dass ich mich dabei in der Art und Weise, wie ich vor Menschen auftrete, und Inhalte vermittle, verbessern konnte. Das ist auf jeden Fall eine Sache, die mir großen Spaß macht.

Retrospektiven

Ich durfte Teams in Retrospektiven unterstützten. Es freut mich sehr, wenn mir das Vertrauen geschenkt wird. Ich versuche die Retrospektiven so gut wie möglich vorzubereiten und zu moderieren. Ich verwende dabei gerne „neue“ Methoden wie z.B. den Liberting Structures und hoffe so die Meetings positiv zu beeinflussen. Es ist schön zu sehen wenn einige der Praktiken auch von anderen weitergenutzt werden!

Scrum Master

Neben meiner Rolle als Agile Coach arbeite ich auch als Scrum Master für mein Team im Embodied Engineering. Ich fürchte, ich muss mir hier eingestehen, dass ich hinter meinen eigenen und vermutlich auch den Erwartungen des Teams geblieben bin. Ich war zuletzt einfach zu wenig für das Team da. Und trotzdem ist es schön zu sehen, was für ein tolles Team sich dort über die Zeit entwickelt hat. Das Team ist in vielen Dingen in der Zusammenarbeit vorbildlich, und vielleicht hatte ich an der ein oder anderen Stelle einen kleinen Anteil daran.

Und sonst?

Und sonst? Sonst gab es bestimmt viele andere Themen, die mich beschäftigt haben. Aber wenn ich ein paar Dinge nennen soll, die mir spontan in den Sinn kommen, und in Erinnerung geblieben, sind dann vielleicht diese.

Erste Erfahrungen mit OKR

Objektives and Key-Results sind heute ein großes Thema. Im Bereich des Embodied Engineering und uns Agiles Reiseführern nutzen wir OKR, um die verschiedenen Aktivitäten auf unsere Ziele (Objektives) auszurichten und den Fortschritt über Ergebnisse (Key-Results) messbar zu machen. Wir implementieren OKR auf einer hohen Flugebene und ich empfinde diese dort als sehr hilfreich, um sein tägliches Arbeiten vor diesen Zielen immer wieder zu hinterfragen: „Zahlt das was ich gerade tue, auf unser vereinbartest Ziel ein“.

Die Suche nach dem goldenen Review.

Im EE Bereich arbeiten wir seit einigen Sprints daran die Qualität und den Wert der Reviews von den Produkt-Teams zu verbessern. Dabei haben wir über die Zeit verschiedene Formate ausprobiert und diese ständig weiterentwickelt. Heute sind Reviews eine Tagesveranstaltung. Ein wichtiger Bestandteil davon ist eine Open Space Konferenz am Ende, wo wichtige Themen besprochen werden können. Ein andere Teil sind die Bazare, in denen die Teams untereinander an ihren Plätzen die Lösungen ausprobieren können, und mit den Entwicklern diskutieren, um Feedback zu bekommen.

Erfahrungen aus dem V&D

Im SoSo gab es in diesem Jahr den Versuch mit dem V&D-Board (Vision and Decision Board) ein Format zu etablieren, in dem ein ausgewählter Kreis von Personen die Vision des SoSo schärfen, und wichtige Entscheidungen treffen sollten. Heute gibt es das V&D-Board nicht mehr, denn wir haben es trotz stetiger Überarbeitung des Formats zu selten geschafft unser Ziel zur Zufriedenheit aller Beteiligter zu erreichen. Die Erfahrungen, die ich in diesen Meetings machen konnte, waren für mich wichtig. Sie haben geholfen besser zu verstehen wie das SoSo tickt. Wann wird es es schwierig? Das hat geholfen mein Bild von einer agilen Organisation zu schärfen.

Schulungen

Ich konnte in diesem Jahr an einigen Schulungen teilnehmen. Danke dafür!

  • PO-Schulung. Hey, als Agile Coach bin ich nun auch offiziell zertifizierter Product Owner.
  • Fit4Conflicts. Wie gebe ich richtig Feedback? Eine tolle Schulung, in der ich lernen konnte Feedback zu geben.
  • Leadership-Schulung. Ich durfte an der Leadership-Schulung aus dem Schulungsprogramm von Salt and Pepper teilnehmen.
  • Coach the Coach. Wir als Agile Coaches haben 5 Sitzungen mit einem externen Coach gehabt, in dem wir uns selber reflektieren und grundlegende Aspekte des Coaching erlernen konnten.

Was kommt 2020?

Die folgenden Themen ergeben sich aus unseren eigenen OKR, die wir uns als Travelguides für das letzte Quartal 2019 gesetzt haben. Leider haben wir damit unsere selbst gesteckten Z1iele nicht erreicht, aber die Themen sind auf einem guten Weg

„Problem“-Backlog

Wie können wir Probleme im SoSo zukünftig effektiv(er) bearbeiten? Diese Frage steht aktuell im Zentrum einer Arbeitsgruppe der Agile Travelguides und der IT-Orga. Als Ergebnis soll ein Vorgehen entstehen, welches dazu führt, dass

  • wir im SoSo einen gemeinsamen Blick auf die Probleme bekommen.
  • die Probleme klein und konkret genug sind, um daran arbeiten zu können.
  • die Probleme auch tatsächlich fokussiert in echten Projekten mit klaren Zielsetzungen nachvollziehbar bearbeitet werden.

Die Arbeit ist derzeit ein Experiment, in dem wir Erfahrungen bei der Lösungen unserer eigenen Probleme sammeln wollen.

Kontinuierliche Projekt- und Team-Entwicklung

YATEEM als Basis für einen transparenten, kontinuierlichen Prozess zu Projekt- und Team-Entwicklung. Ich habe dazu in den letzen Wochen schon viel geschrieben. Daher hier nur kurz: Wir werden YATEEM in einem Bereich im kommenden Jahr mal ausprobieren. Yeah!

Wo tut es weh?

Eine Frage, die mich immer wieder beschäftigt, ist die meiner Wirksamkeit in meiner neuen Rolle. Was bewege ich eigentlich? Wo trage ich zum Erfolg der Unternehmung bei? Für jemanden, der viele Jahre in der Softwareentwicklung tätig war, und seine Wirksamkeit immer unmittelbar in funktionierenden Code, Tests und Performance erfahren konnte, ist der Rollenwechsel nicht einfach. Ich habe jahrelang die Erfahrung gemacht, dass ich für das was ich tat unmittelbar Feedback bekam. Das fehlt jetzt. Hinzu kommt, dass es keine einfache kausalen Beziehungen zwischen Ursache und Wirkung mehr gibt. Das alles hinterlässt eine gewisse Orientierungslosigkeit und damit Unsicherheit in meinem Handeln.

Daraus ergibt sich dann die zentrale Frage: Ist das was ich gerade tue auch das was ich in Zukunft tun will. Die Antwort darauf ist schwierig. Zuviele Dinge sind unklar. Aber mit diesem Umstand müsste ich als Agiler Coach ja bestens zurecht kommen 😉
Und manche Entscheidungen muss man auch nicht treffen. Vielleicht ist es möglich das eine zu tun, ohne das anderes zu lassen.

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